"Neuro-Physioanalyse" - eine Seminarerfahrung mit Jean-Paul Pianta, Dr. der Chiropraktik

Mich permanent weiterzubilden, ist eine meiner Prämissen im Leben. So besuchte ich zuletzt im Rahmen meines Fachstudiums zum Präventologen das Seminar „Physioanalyse“ (engl. „neuro physio analysis“) mit dem Dozenten Jean-Paul Pianta. Letzterer ist Doktor der Chiropraktik und ein echter Querdenker, wenn es um den menschlichen Körper geht. Er sieht die Dinge mit anderen Augen. Er sagt von sich: „Alles, was ich vor 50 Jahren in der Schule gelernt habe, ist Bullshit!“

„Wir wissen gar nichts“, führt Pianta fort, der als gebürtiger Franzose in Hannover lebt und dort seine Praxis hat. Chiropraktik sei der Beruf Nummer eins für Präventologen. In dem Seminar sprach er querbeet über den menschlichen Körper. Ich möchte hier in loser Reihenfolge ein paar meiner Gedanken, Notizen und Zitate von Pianta mit dir teilen.

  • „Kinder spielen nie. Sie entwickeln ihr Nervensystem!“
  • „Das Gehirnwasser ist nicht nur ein Schockabsorbierer, sondern auch für die Ernährung und Reinigung aller Nerven zuständig.“
  • „Eine Bewegung des Sakrums (Kreuzbein) aktiviert das Gehirnwasser. Es fließt vom Gehirn durch das Rückenmark.“
  • „Es gibt drei Formen von Stress: physikalischen/mechanischen, chemischen und emotionalen Stress.“
  • „Die Knochen des Menschen sind erst nach 26 Jahren bei Männern bzw. 27 Jahren bei Frauen fertig entwickelt.“
  • „80 Prozent des Stimulus des zentralen Nervensystems ist abhängig von der Beweglichkeit der Wirbelsäule.“
  • „Bewegung und Beweglichkeit der Gelenke ist der Nr. 1 Stimulus für unser Nervensystem.“
  • „Eine geschwungene Form der Wirbelsäule, also die natürliche doppelte S-Kurve, macht die Wirbelsäule 14 Mal stärker als wäre sie kerzengerade in der seitlichen Ansicht.“ 
  • -> Das heißt eine flache Wirbelsäule ist schwach und kann die Stöße und Belastungen des Alltags nicht so gut abfedern. 
  • „Gute Kommunikation sieht so aus: 80% Zuhören, 20% Reden.“
  • „Das Wort „Prävention“ ist acht Jahrhunderte alt.“
  • Der Musc. Trapezius (Kapuzenmuskel) wird auch als Angst-, Stress- und Müdigkeitsmuskel bezeichnet, denn er verkrampft, wenn die Schultern nach oben gezogen werden. -> Muskelpflege: Entspannung, Dehnung, Faszienmassage
  • Pathogenese (= Medizin, Krankheiten heilen) vs. Salutogene (= Prävention, Gesundheit fördern)

 

  • „90 Prozent aller Hüftoperationen sind überflüssig.“
  • „Auch das Iliosakralgelenk (ISG) ist beweglich.“ -> Frage: Wie löse ich eine ISG-Blockade?
  • „Medizin ist inkompetent bei chronischen Fällen.“
  • „Wir sind, was wir denken. Uns gehen jeden Tag 60.000 Gedanken durch den Kopf. 90 Prozent davon kehren am nächsten Tag zurück.“
  • „Arthrose mit Beweglichkeit ist okay. Arthrose ohne Beweglichkeit ist eine Katastrophe.“
  • Es gibt wechselseitige Abhängigkeiten (Interdependenzen) zwischen der Gesundheit, der Familie (Liebe), der Finanzen und der Arbeit. Die Balance ist entscheidend.
  • Gesundheit ist: richtiges essen, trinken, bewegen und denken.
  • Mit Geld kannst du deine Gesundheit nicht kaufen. Sei dankbar für deine Gesundheit.
  • „In 50 Jahren haben das Gemüse und Obst 50 Prozent ihrer Vitamine verloren.“
  • Unsere Füße müssen das 25-fache ihres eigenen Gewichtes tragen.
  • Ein Fuß besteht aus 26 Knochen und 18 Muskeln.
  • Pro Leben laufen wir 150.000 km.
  • 60% der Fußbelastung ist auf der Ferse und 40% auf dem Ballen (10% großer Zeh, 30% andere Zehen).
  • Eine Pronation im Fuß, also eine Neigung nach innen, führt zu einer höheren Belastung im Knie, in der Hüfte und in der Wirbelsäule, weil alle Gelenke in einer kinetischen Kette miteinander verbunden sind. Das kann zum Beispiel Rückenschmerzen zur Folge haben. Die Ursache liegt also ganz woanders (nämlich im Fuß) als wo das Symptom auftritt (im Rücken).
  • Ein Beckenschiefstand hat oft einen Schulterschiefstand zur Folge. Wenn das Becken rechts höher steht, steht die Schulter links höher – und umgekehrt. Es findet also eine Kompensations- bzw. Gegenbewegung statt. Dadurch verkrampft wiederum der Trapezmuskel (Kapuzenmuskel).
  • Ursache für einen Beckenschiefstand: Ein Beckenschiefstand kommt nicht, weil die Beine genetisch bedingt unterschiedlich lang sind. Die Beine sind gleich lang. Aber die Funktion ist gestört durch eine einseitige Belastung auf einem Bein. Das führt zu einer Dysbalance in der Muskulatur des Beckens (Pomuskeln), sodass das Becken in sich verdreht ist.
  • Der Trapezmuskel verkrampft auch oft nach einem langen Arbeitstag mit sitzender Tätigkeit, da er ermüdet ist. Stress verstärkt das Anheben der Schulter und somit der Verkrampfung des Trapezmuskels. Ebenso einseitiges Tragen eines Rucksacks oder einer Umhängetasche.  
  • „80 Prozent der Probleme der Wirbelsäule kommen vom Becken (durch einen Beckenschiefstand).“
  • „Der Kiefer und der Fuß haben einen Einfluss auf die Statik des aufrechten Ganges.“
  • „Beweglichkeit/Elastizität ist viel wichtiger als Kraft.“
  • „Gelenke und Gedanken müssen flexibel bleiben. Das ist das Wichtigste im Leben.“
  • „Jegliche Steifheit und Festigkeit ist schlecht.“
  • „Geld muss fließen. Wenn du viel Geld gibst, denkst du reich (Trinkgeld, Spenden). Wenn du wenig Geld gibst, denkst du arm. Das ist Psychologie.“
  • Unbewusste Inkompetenz (Kind weiß nicht, dass es mal gehen wird) führt zu bewusster Inkompetenz (Kind fällt immer wieder auf den Po, wenn es versucht zu gehen). Das wiederum führt zu bewusster Kompetenz (das Kind kann laufen und weiß es) und das führt schließlich zur unbewussten Kompetenz (alles passiert automatisch, der Mensch braucht nicht darüber nachzudenken -> Autopilot)
  • „Der Tragus (Ohr) muss in der aufrechten Haltung über dem Peroneus (Fuß) sein. Ein vorgeneigter Kopf bzw. ein vorgeneigter, gebückter Oberkörper belastet die Wirbelsäule. Eine aufrechte Körperhaltung beugt Rückenproblemen vor. Dadurch ist die Wirbelsäule 16 Mal kräftiger.
  • „Es gibt eine direkte Verbindung zwischen dem Mund/Kiefer und der Hüfte/des Beckens. Muskelverspannungen im Kiefer können also zu einer eingeschränkten Hüftbeweglichkeit führen.“
  • „Es gibt eine Verbindung zwischen dem Riechen und Alzheimer. Durch den Verlust des Riechens hat man eine zwei Mal höhere Wahrscheinlichkeit an Alzheimer zu erkranken.“
  • „Prävention bedeutet nicht gegen (Pathogenese), sondern für etwas zu arbeiten (Salutogenese).“

 

Was ist die Physioanalyse?

Die Physioanalyse ist eine Kunst, eine Wissenschaft und eine Technik, die es erlaubt, die Zerbrechlichkeit oder die Stabilität des Körpers zu bewerten. Dabei lernt man zu beobachten, um die Informationen, die vor unseren Augen sind, aber von anderen Augen nicht gesehen werden, zu interpretieren. Es geht darum zu lernen, die Körpersprache zu verstehen und eine andere Sichtweise zu bekommen.

 

Folgende Inhalte wurden in dem Seminar vermittelt:

  • Die Intelligenz unseres Körpers
  • Wechselseitige Beziehungen
  • Analyse der Haltung - Theorie und Praxis
  • Analyse des Ganges - Theorie und Praxis
  • Bilanz Global

Dozent: 
Jean-Paul Pianta, Doctor of Chiropractic

 

Jean-Paul Pianta wurde 1945 in Grenoble geboren und lebt heute in Hannover. Nach dem Abitur studierte er in den USA und promovierte 1971 am Palmer College in Iowa zum Doctor of Chiropractic. Als Doktor der modernen Chiropractic sorgt er seit 1971 für Tausende von Patienten, unter ihnen viele Staatsoberhäupter sowie andere bekannte Persönlichkeiten. Pianta Chiropractic Center sind in Hannover, Celle, Berlin und Luxemburg vertreten.



 

 

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Dein Sebastian Finis